Dieser Beitrag erklärt, was bei der Versorgung zu Hause üblich ist, und ersetzt keine medizinische Beratung. Handgriffe an Sonde, Kanüle oder Katheter führen Sie nur nach persönlicher Einweisung durch die behandelnde Ärztin, den behandelnden Arzt oder eine Pflegefachkraft aus. Verbindlich sind immer die ärztliche Anordnung und die Gebrauchsanweisung des Herstellers. Bei Fieber, starken Schmerzen, Blutung oder Atemnot wählen Sie die 112.
Eine Kontraktur ist die dauerhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen oder Bändern, die ein Gelenk in einer Stellung festhält. Sie tut anfangs nicht weh und fällt deshalb spät auf. Wenn sie bemerkt wird, ist das Gelenk oft schon nicht mehr vollständig beweglich, und die Rückbildung ist schwierig bis unmöglich.
Bei Menschen mit Beatmung, nach langer Sedierung oder mit neurologischer Grunderkrankung entsteht sie besonders schnell. Wer sich nicht bewegt, verliert Beweglichkeit innerhalb von Tagen bis Wochen. Die gute Nachricht: Die Prophylaxe ist einfach, kostet wenig und lässt sich in den Alltag einbauen.
Wie Kontrakturen entstehen
Muskeln und Bindegewebe passen sich an die Länge an, in der sie dauerhaft gehalten werden. Liegt ein Bein wochenlang leicht gebeugt, verkürzt sich die Beugemuskulatur, während die Gegenspieler schwächer werden. Bei zusätzlicher Spastik nach Schlaganfall oder hypoxischem Hirnschaden zieht der erhöhte Muskeltonus das Gelenk aktiv in eine Fehlstellung.
Beschleunigt wird das durch Schmerzen, weil der Mensch Schonhaltungen einnimmt, durch Lähmungen, durch die Schwerkraft und durch die Bettdecke, deren Gewicht die Füße nach unten drückt. Genau daraus entsteht der Spitzfuß, die häufigste Kontraktur bei bettlägerigen Menschen überhaupt.
Die typischen Stellen
- Sprunggelenk: Spitzfuß durch Druck der Bettdecke und fehlende Belastung.
- Knie und Hüfte: Beugekontraktur durch dauerhaft angewinkelte Lagerung.
- Schulter: Einschränkung beim Abspreizen, oft schmerzhaft und früh spürbar.
- Ellenbogen und Handgelenk: Beugestellung, häufig bei Spastik.
- Finger: Faustschluss, der Hautpflege und Handhygiene erschwert.
- Wirbelsäule und Nacken: Fehlhaltung bei einseitiger Kopfposition, oft in Richtung Fernseher oder Fenster.
Passives Durchbewegen: Ablauf und Frequenz
Das wichtigste Instrument ist das passive Durchbewegen aller Gelenke. Jedes Gelenk wird langsam durch seinen möglichen Bewegungsumfang geführt, mehrmals täglich, ohne Schwung und ohne Kraft gegen Widerstand. Der Bewegungsumfang wird gehalten, nicht erkämpft.
- Gelenknah greifen, das Gelenk unterhalb und oberhalb stützen.
- Langsam bewegen, jede Bewegung mehrfach wiederholen, typischerweise fünf bis zehn Mal.
- Am Widerstand stoppen, nicht darüber hinaus; Schmerz ist die Grenze, nicht der Maßstab.
- Alle Gelenke einbeziehen, auch Finger und Zehen, die regelmäßig vergessen werden.
- Bewegung in den Alltag einbauen: beim Waschen, beim Anziehen, beim Positionswechsel.
- Bei Spastik vorher wärmen und langsam arbeiten, weil schnelle Bewegungen den Tonus erhöhen.
Wichtig ist die Abgrenzung: Passives Durchbewegen ist Teil der Pflege und darf nach Anleitung auch von Angehörigen durchgeführt werden. Dehnungen gegen deutlichen Widerstand, Mobilisation bei frischen Frakturen und die Behandlung ausgeprägter Spastik gehören dagegen in die Physiotherapie.
Bewegung im Bett und darüber hinaus
Passives Durchbewegen ist die Untergrenze, nicht das Ziel. Wo es möglich ist, folgt aktive Bewegung: Der Mensch führt die Bewegung selbst aus, notfalls mit Unterstützung. Selbst kleine Eigenanteile erhalten Muskulatur und Wahrnehmung besser als jede passive Übung. Dazu kommt die Mobilisation aus dem Bett heraus, in den Stuhl oder in den Stand, sofern der Zustand es zulässt. Auch bei laufender Beatmung ist das mit Vorbereitung möglich und in Weaning-Zentren längst Standard.
Der zweite Hebel ist die Sitzposition. Wer den ganzen Tag mit angewinkelten Hüften und Knien im Bett oder Stuhl verbringt, hält seine Beugemuskulatur dauerhaft verkürzt. Deshalb gehören Phasen mit flach gelagerten Beinen und gestreckter Hüfte in den Tagesablauf, verteilt über den Tag statt einmal am Stück. Diese Wechsel sind die eigentliche Prophylaxe zwischen den Therapieterminen.
Lagerung und Hilfsmittel
Zwischen den Bewegungseinheiten entscheidet die Position. Ein Gelenk, das 22 Stunden am Tag in Beugestellung liegt, verkürzt sich trotz zweier Übungseinheiten. Deshalb wird die Position regelmäßig gewechselt und in einer funktionellen Stellung unterstützt, aus der heraus Bewegung möglich bleibt.
| Gelenk | Fehlstellung, die droht | Was hilft |
|---|---|---|
| Sprunggelenk | Spitzfuß | Bettdecke abstützen, Fußstütze oder Lagerungsschiene nach Anleitung |
| Knie | Beugekontraktur | Zeitweise flache Lagerung, Kissen unter der Wade statt unter dem Knie |
| Hüfte | Beuge- und Außenrotation | Wechsel zwischen Rücken- und Seitenlage, Rolle an der Außenseite |
| Schulter | eingeschränkte Abspreizung | Arm zeitweise abgespreizt lagern, Lagerungskissen |
| Hand | Faustschluss | Handtuchrolle oder Lagerungsschiene, Finger regelmäßig öffnen |
| Nacken | einseitige Kopfhaltung | Fernseher und Lichtquelle versetzen, Kopfposition wechseln |
Lagerungsschienen, Fußstützen und Spezialkissen sind Hilfsmittel nach § 33 SGB V und werden ärztlich verordnet, meist auf Empfehlung der Physiotherapie. Sie werden nur nach Anleitung eingesetzt und regelmäßig kontrolliert, weil sie selbst Druckstellen erzeugen können. Bei jedem Abnehmen wird die Haut darunter angesehen, wie im Beitrag zu den Dekubitus-Graden beschrieben.
Schmerz ist der stille Treiber
Ein Mensch mit Schmerzen bewegt sich nicht und lässt sich nicht gern bewegen. Wenn das Durchbewegen regelmäßig abgewehrt wird, steckt selten Unwilligkeit dahinter, sondern Schmerz. Zeichen bei Menschen, die sich nicht äußern können, sind Anspannung, Grimassieren, Abwehrbewegungen, steigender Puls oder erhöhter Beatmungsdruck. Eine wirksame Schmerztherapie ist deshalb Voraussetzung für jede Bewegungsförderung und nicht ein separates Thema.
Praktisch heißt das: Schmerzmittel so timen, dass sie zur Bewegungseinheit wirken, und die Reaktion dokumentieren. Wer notiert, wie viel Bewegung mit und ohne Medikation möglich war, liefert der Praxis die Grundlage für eine Anpassung. Ohne diese Rückmeldung bleibt das Schema unverändert und die Bewegung fällt weiter aus.
Physiotherapie verordnen lassen
Physiotherapie ist ein Heilmittel und wird über Muster 13 verordnet. Für Menschen mit dauerhaft schweren funktionellen Einschränkungen kommt der langfristige Heilmittelbedarf in Betracht: Dann sind Verordnungen außerhalb des Regelfalls ohne erneute Genehmigung möglich, was bei chronischen Verläufen die Versorgung stabilisiert.
Hausbesuche sind verordnungsfähig, wenn der Patient die Praxis nicht aufsuchen kann. Das ist bei invasiver Beatmung zu Hause der Regelfall und gehört ausdrücklich auf die Verordnung, sonst erscheint die Therapie nicht. Die Zuzahlung beträgt zehn Prozent der Kosten plus zehn Euro je Verordnung, begrenzt durch die Belastungsgrenze.
Sinnvoll ist eine klare Aufgabenteilung: Die Physiotherapie legt fest, welche Bewegungen wie oft durchgeführt werden und leitet an. Pflegedienst und Angehörige setzen das täglich um. Ohne diese tägliche Umsetzung bleiben zwei Termine pro Woche wirkungslos, weil die restlichen fünf Tage die Verkürzung wieder herstellen.
Der Zusammenhang mit Dekubitus
Kontraktur und Dekubitus verstärken sich gegenseitig. Ein Gelenk in Fehlstellung erzeugt neue Auflagepunkte, etwa wenn ein angezogenes Bein auf dem anderen liegt oder ein Fuß dauerhaft gegen das Fußteil drückt. Umgekehrt führt eine schmerzhafte Wunde dazu, dass bestimmte Positionen gemieden werden, wodurch andere Gelenke einseitig belastet bleiben. Wer nur eines der beiden Themen bearbeitet, verschiebt das Problem, statt es zu lösen.
Praktisch heißt das: Bei jeder Positionierung wird beides zugleich betrachtet, Druckverteilung und Gelenkstellung. Ein Kissen, das den Fuß entlastet, darf das Knie nicht dauerhaft anwinkeln. Diese Abwägung gehört in den Bewegungsplan und ist einer der Punkte, an denen ein erfahrener Pflegedienst seinen Wert zeigt.
Wenn eine Kontraktur schon besteht
Eine bestehende Kontraktur wird nicht durch kräftiges Dehnen gelöst. Der Versuch führt zu Schmerzen, Mikroverletzungen und im schlimmsten Fall zu Knochenneubildungen im Weichteilgewebe. Behandelt wird langsam, über Wochen, mit Physiotherapie, Lagerung und in ausgewählten Fällen mit Schienen oder medikamentöser Tonusreduktion bei Spastik.
Das realistische Ziel ist häufig nicht die vollständige Wiederherstellung, sondern der Erhalt der verbleibenden Beweglichkeit und die Vermeidung von Folgeproblemen: Schmerzen, erschwerte Pflege, Druckstellen in der Fehlstellung, Probleme beim Transfer. Auch das ist ein Ergebnis, das den Alltag spürbar verändert.
Für die Einstufung zählt der zusätzliche Aufwand. Kontrakturen erschweren Waschen, Ankleiden und Transfers erheblich, und das schlägt in mehreren Modulen des Begutachtungsinstruments durch. Wer diesen Aufwand mit der Pflegetagebuch-Vorlage dokumentiert und vorab mit dem Pflegegrad-Rechner prüft, geht vorbereitet in die Begutachtung. Bei der Auswahl eines geeigneten Intensivpflegedienstes lohnt die Frage, wie Bewegungsförderung im Tagesablauf verankert ist.
Wärme, Atmung und Tonus
Vor dem Durchbewegen hilft Wärme: eine warme Waschung, ein warmes Tuch, notfalls die Bewegungseinheit direkt nach der Körperpflege. Warme Muskulatur lässt sich weiter bewegen und reagiert weniger mit Abwehrspannung. Bei Spastik ist das kein Komfortdetail, sondern der Unterschied zwischen einer gelungenen und einer abgebrochenen Einheit.
Zweitens die Atmung. Wer beatmet wird, verträgt Bewegung besser, wenn sie mit dem Beatmungsrhythmus abgestimmt ist und nicht gegen einen Hustenstoß läuft. Kündigen Sie jede Bewegung an, auch bei Menschen, die scheinbar nicht reagieren: Die Ansprache senkt den Tonus messbar und gehört zur fachlich korrekten Durchführung.
Hilfsmittel im Alltag: vom Rollstuhl bis zur Handschiene
Beweglichkeit hängt nicht nur an Übungen, sondern an der Ausstattung. Ein angepasster Rollstuhl mit korrekter Sitztiefe, Fußstützen in richtiger Höhe und einer Rückenlehne, die den Rumpf stützt, verhindert genau die Fehlhaltungen, gegen die anschließend therapiert wird. Ein Standardmodell aus dem Sanitätshaus ohne Anpassung erzeugt sie dagegen.
Für die Hände sind einfache Lösungen oft die besten: eine weiche Handtuchrolle statt einer starren Schiene, mehrmals täglich gewechselt, verhindert den Faustschluss ohne Druckstellen. Wo eine Schiene nötig ist, wird sie angepasst, mit begrenzter Tragezeit versehen und die Haut darunter bei jedem Abnehmen kontrolliert.
Stehhilfen und Stehbetten sind der stärkste Hebel gegen Beugekontrakturen an Hüfte und Knie und wirken zugleich gegen Osteoporose und Kreislaufschwäche. Sie sind aufwendig, verordnungsfähig und für viele Familien unbekannt. Fragen Sie in der Physiotherapie danach, wenn absehbar ist, dass jemand über Monate nicht stehen wird.
Kontrolle: einmal im Monat messen statt schätzen
Beweglichkeit verschlechtert sich langsam, und genau deshalb fällt sie niemandem auf, der täglich dabei ist. Hilfreich ist eine einfache monatliche Notiz: Wie weit lässt sich das Sprunggelenk anheben, wie weit der Arm abspreizen, wie weit das Knie strecken? Die Physiotherapie misst das mit einem Winkelmesser, für zu Hause reicht eine Beschreibung mit Vergleich zum Vormonat.
Diese Notiz hat zwei Funktionen. Sie zeigt früh, wenn eine Verkürzung beginnt, und sie ist die Begründung, wenn eine Folgeverordnung ausgestellt oder ein langfristiger Heilmittelbedarf beantragt werden soll. Ohne Verlaufsdaten steht in der Akte nur, dass Therapie stattfand, nicht wozu sie geführt hat.
Was Angehörige realistisch leisten können
Die Vorstellung, Angehörige könnten dreimal täglich alle Gelenke durchbewegen, scheitert an der Realität. Sinnvoller ist es, wenige Bewegungen fest zu verankern und richtig auszuführen, als viele unregelmäßig. Zwei Einheiten am Tag, gekoppelt an Waschen und Abendpflege, sind besser als ein ambitionierter Plan, der nach zwei Wochen einschläft.
Ebenso wichtig ist die Aufgabenteilung mit dem Pflegedienst. In der Leistungsbeschreibung sollte stehen, welche Bewegungsanteile der Dienst übernimmt. Bei einer Versorgung rund um die Uhr gehört das selbstverständlich dazu, bei stundenweisen Einsätzen wird es oft stillschweigend der Familie überlassen. Diese Erwartung gehört ausgesprochen, bevor sie zur Belastung wird.
Und schließlich: Wer selbst Rückenprobleme bekommt, hilft niemandem. Lassen Sie sich rückenschonende Techniken zeigen, nutzen Sie Bettfunktionen und Hilfsmittel, arbeiten Sie wo möglich zu zweit. Ein Pflegekurs für Angehörige vermittelt genau das kostenfrei und wird von den Pflegekassen angeboten.
Nächste Schritte
- Bauen Sie das Durchbewegen fest in Waschen und Ankleiden ein, statt es als Extratermin zu planen.
- Prüfen Sie heute, ob das Gewicht der Bettdecke auf den Füßen liegt: Das ist die häufigste Ursache für den Spitzfuß.
- Lassen Sie Physiotherapie mit Hausbesuch verordnen und fragen Sie nach langfristigem Heilmittelbedarf.
- Kontrollieren Sie die Haut unter jeder Lagerungsschiene bei jedem Abnehmen.
- Notieren Sie einmal im Monat, wie weit sich die wichtigsten Gelenke bewegen lassen, um Veränderungen früh zu sehen.
FAQ – Kontrakturprophylaxe
Was ist eine Kontraktur?
Die dauerhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen, Bändern oder Gelenkkapseln, durch die ein Gelenk nicht mehr vollständig bewegt werden kann. Sie entsteht, wenn ein Gelenk über längere Zeit in derselben Stellung gehalten wird, und bildet sich nur schwer wieder zurück.
Wie schnell entsteht eine Kontraktur?
Erste Veränderungen können sich innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen entwickeln, besonders bei vollständiger Immobilität, Sedierung oder Spastik. Deshalb beginnt die Prophylaxe sofort und nicht erst, wenn eine Bewegungseinschränkung auffällt.
Was ist ein Spitzfuß?
Eine Kontraktur im Sprunggelenk, bei der der Fuß dauerhaft nach unten zeigt und nicht mehr angehoben werden kann. Häufigste Ursache bei bettlägerigen Menschen ist das Gewicht der Bettdecke in Verbindung mit fehlender Belastung des Fußes.
Wie oft sollte durchbewegt werden?
Mehrmals täglich, typischerweise mit fünf bis zehn Wiederholungen je Gelenk. Wirksamer als eine lange Einheit sind mehrere kurze über den Tag verteilt, eingebaut in Waschen, Ankleiden und Positionswechsel.
Dürfen Angehörige passiv durchbewegen?
Ja, nach Anleitung durch Physiotherapie oder Pflegefachkraft. Erlaubt ist das langsame Führen durch den vorhandenen Bewegungsumfang. Dehnen gegen deutlichen Widerstand, die Behandlung ausgeprägter Spastik und Mobilisation nach frischen Verletzungen bleiben Fachaufgaben.
Was tun bei Spastik?
Langsam und ruhig arbeiten, vorher wärmen, schnelle Bewegungen vermeiden, weil sie den Muskeltonus erhöhen. Zusätzlich kommen medikamentöse Behandlung und in ausgewählten Fällen Botulinumtoxin infrage. Das gehört in die Hand der behandelnden Neurologie.
Helfen Lagerungsschienen?
Ja, wenn sie richtig angepasst und kontrolliert werden. Sie halten ein Gelenk in funktioneller Stellung, können aber selbst Druckstellen verursachen. Deshalb wird die Haut bei jedem Abnehmen kontrolliert und die Tragezeit nach Anleitung begrenzt.
Wer verordnet Physiotherapie und wer zahlt?
Verordnet wird sie ärztlich über Muster 13, bezahlt von der Krankenkasse. Bei dauerhaft schweren Einschränkungen kommt der langfristige Heilmittelbedarf in Frage. Die Zuzahlung beträgt zehn Prozent der Kosten plus zehn Euro je Verordnung.
Muss der Hausbesuch extra verordnet werden?
Ja. Kann der Patient die Praxis nicht aufsuchen, gehört der Hausbesuch ausdrücklich auf die Verordnung. Bei beatmeten Menschen ist das der Regelfall. Fehlt der Vermerk, kommt die Therapie in der Praxis nicht zustande und die Verordnung läuft ins Leere.
Kann eine Kontraktur wieder verschwinden?
Frühe, leichte Einschränkungen bilden sich mit konsequenter Behandlung oft zurück. Bestehende, ausgeprägte Kontrakturen lassen sich meist nur begrenzt verbessern. Realistisches Ziel ist dann, die verbleibende Beweglichkeit zu erhalten und Schmerzen und Folgeprobleme zu vermeiden.
Warum sind Finger und Zehen so wichtig?
Weil sie am häufigsten vergessen werden. Ein dauerhafter Faustschluss erschwert Handhygiene und Nagelpflege, führt zu Hautschäden in der Handinnenfläche und ist schmerzhaft. Zehen in Fehlstellung erzeugen Druckstellen im Schuh und beim Transfer.
Wirkt sich eine Kontraktur auf den Pflegegrad aus?
Ja, indirekt. Sie erhöht den Aufwand beim Waschen, Ankleiden und bei Transfers deutlich, und diese Punkte fließen in mehrere Module des Begutachtungsinstruments ein. Der zusätzliche Zeitbedarf sollte deshalb dokumentiert und bei der Begutachtung benannt werden.
Fazit
Kontrakturen entstehen leise und schnell, und sie sind einer der wenigen Bereiche, in denen konsequente Alltagsroutine mehr bewirkt als jedes Gerät. Mehrmals täglich alle Gelenke langsam durch ihren Bewegungsumfang führen, Positionen regelmäßig wechseln, das Gewicht der Bettdecke von den Füßen nehmen und Physiotherapie mit Hausbesuch verordnen lassen: Das ist die vollständige Liste. Wer sie einhält, erhält Beweglichkeit, erleichtert die tägliche Pflege und vermeidet Schmerzen, die sich später kaum noch korrigieren lassen.


