Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine ärztliche, pflegefachliche oder rechtliche Beratung. In Notfällen wählen Sie 112.
Eine Trachealkanüle wechseln heißt: die liegende Kanüle entfernen, das Stoma kontrollieren und reinigen, die neue Kanüle einsetzen, fixieren und ihre Lage prüfen. Den planmäßigen Wechsel der Außenkanüle übernimmt eine Pflegefachkraft oder ein Arzt, weil er zur medizinischen Behandlungspflege zählt. Geschulte Angehörige wechseln nach dokumentierter Anleitung die Innenkanüle und handeln im Notfall. Wie das Tracheostoma entsteht und wie die tägliche Stomapflege aussieht, erklärt der Grundlagenbeitrag. Dieser Ratgeber bleibt beim Kanülenwechsel in der außerklinischen Intensivpflege: Kanülentypen, Zuständigkeit, Intervalle, Ablauf Schritt für Schritt, Komplikationen und Materialbestellung.
Kanülentypen: Cuff, Innenkanüle und Fensterung bestimmen den Wechsel
Der Kanülentyp legt fest, wie oft, von wem und mit welchem Aufwand gewechselt wird. Die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) zur außerklinischen Beatmung unterscheidet geblockte und ungeblockte Kanülen, Kanülen mit und ohne Innenkanüle sowie gefensterte Kanülen. Jede dieser Eigenschaften hat direkte Folgen für den Wechsel.
Geblockte Kanülen mit Cuff
Eine geblockte Kanüle trägt am unteren Ende eine Manschette (Cuff), die mit Luft gefüllt die Luftröhre abdichtet. Sie ist bei invasiver Beatmung und bei Aspirationsgefahr Standard, weil sie den Beatmungsdruck hält und Speichel oder Mageninhalt von der tiefen Lunge fernhält. Für den Wechsel bedeutet der Cuff drei zusätzliche Handgriffe: vollständig entblocken vor dem Herausziehen, den Cuff der neuen Kanüle auf Dichtigkeit prüfen, danach auf den Zielwert blocken. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut empfiehlt einen Cuffdruck zwischen 20 und 30 cmH2O. Gemessen wird mit einem Cuffdruckmesser; die DGP-Leitlinie verlangt bei geblockten Kanülen ein Messgerät, das den Bereich bis 30 cmH2O sicher abbildet. Messen Sie ein zweites Mal nach wenigen Minuten, denn in der ersten Viertelstunde sind Druckverluste von bis zu 20 Prozent beschrieben.
Kanülen mit Innenkanüle
Eine mehrteilige Kanüle besteht aus Außenkanüle und herausnehmbarer Innenkanüle (Innenseele). Die Innenkanüle lässt sich entnehmen, reinigen oder tauschen, ohne dass die Außenkanüle das Stoma verlässt. Genau das macht sie für die häusliche Versorgung so wertvoll: Verkrustungen und zäher Schleim setzen sich in der Innenkanüle ab. Ein Innenkanülenwechsel behebt eine beginnende Verlegung in Sekunden, ohne den kompletten Wechsel mit ungeschütztem Atemweg. Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands (Produktgruppe 12) sieht deshalb mindestens zwei Kanülensets je Versorgung vor, damit jederzeit gereinigt werden kann. Einteilige Kanülen ohne Innenseele müssen für jede Reinigung komplett gezogen werden, was jeden Reinigungsgang zu einem vollständigen Wechsel macht.
Gefensterte Kanülen und Sprechventil
Gefensterte (fenestrierte) Kanülen haben eine Öffnung in der Außenkanüle, durch die Atemluft am Kehlkopf vorbei nach oben strömen kann. Sie werden mit einem Sprechventil oder einer Verschlusskappe kombiniert, wenn die Dekanülierung vorbereitet wird. Die DGP-Leitlinie ist hier eindeutig: Ein Sprechventil darf nur auf einer Kanüle ohne Cuff, auf einer vollständig entblockten oder einer gefensterten Kanüle sitzen, sonst kann die Ausatemluft nicht entweichen. Beim Wechsel muss die Kombination aus Außenkanüle, Innenkanüle (gefenstert oder geschlossen) und Aufsatz exakt der ärztlichen Anordnung entsprechen. Eine geschlossene Innenkanüle in einer gefensterten Außenkanüle verschließt das Fenster und beendet die Sprechfunktion. Der Wechsel einer Sprechkanüle gegen eine Dauerkanüle und umgekehrt zählt laut Häuslicher Krankenpflege-Richtlinie des G-BA (HKP-RL, Nr. 29) ausdrücklich zum Trachealkanülenwechsel. Den Weg zur Dekanülierung mit Sprechventil, Platzhalter und Stomaverschluss beschreibt ein eigener Beitrag.
Wer die Trachealkanüle wechseln darf
Den planmäßigen Wechsel der Außenkanüle führen Ärzte oder Pflegefachkräfte durch; geschulte Angehörige dürfen nach dokumentierter Anleitung die Innenkanüle wechseln und im Notfall handeln. Diese Aufteilung ergibt sich aus drei Regelwerken: der HKP-RL des G-BA, der Außerklinischen Intensivpflege-Richtlinie (AKI-RL) und § 37c SGB V.
Arzt: erster Wechsel und unsichere Stomaverhältnisse
Der erste Kanülenwechsel nach der Anlage des Tracheostomas ist Arztsache, meist noch in der Klinik oder im Weaning-Zentrum. Bei diesem Wechsel wird geprüft, ob der Stomakanal stabil ist und die Kanüle zentriert in der Luftröhre liegt. Die DGP-Leitlinie fordert für die außerklinische Versorgung ein stabiles, bevorzugt epithelisiertes (plastisches) Tracheostoma. Bei einem dilatativ angelegten Stoma muss vor der Entlassung nachgewiesen sein, dass Pflegekräfte allein sicher wechseln können. Ärztlich bleibt der Wechsel außerdem bei Stenosen, Granulationen am Stomarand, wiederholten Fehllagen oder beim Umstieg auf eine andere Kanülengröße oder einen anderen Typ.
Pflegefachkraft: der Regelfall in der außerklinischen Intensivpflege
In der HKP-RL steht der Kanülenwechsel unter Nr. 29 (Trachealkanüle, Wechsel und Pflege der) als verordnungsfähige Leistung der Behandlungspflege: Herausnahme der liegenden Kanüle, Reinigung und Pflege, Behandlung des Stomas, Einsetzen und Fixieren der neuen Kanüle, Reinigung der entnommenen Kanüle. Häufigkeit und Dauer legt bei dieser Leistung der Arzt fest, nicht die Pflegefachkraft. In der außerklinischen Intensivpflege nach § 37c SGB V gehört das Trachealkanülenmanagement zum Leistungsinhalt (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 AKI-RL). Erbracht wird es von der ständig anwesenden, besonders qualifizierten Pflegefachkraft. Ein Intensivpflegedienst muss deshalb belegen, dass seine Fachkräfte den Wechsel beherrschen. Wenn Sie ein Team mit dieser Qualifikation suchen, hilft Ihnen unsere Vermittlung, qualifizierte Intensivpflegekräfte zu finden: kostenfrei, unabhängig und bundesweit.
Geschulte Angehörige: Anleitung, Delegation und Grenzen
Angehörige dürfen die Innenkanüle wechseln und reinigen, den Cuffdruck messen und im Notfall eine dislozierte Kanüle ersetzen, sobald sie strukturiert angeleitet wurden. Die DGP-Leitlinie empfiehlt diese Einarbeitung bereits in der entlassenden Klinik, nach einem Schulungsplan in Einheiten von etwa 30 Minuten. Wiederholt wird, bis jeder Handgriff sicher sitzt. Rechtlich trägt die HKP-RL das mit Nr. 7 (Anleitung bei der Behandlungspflege, bis zu zehnmal verordnungsfähig). Die AKI-RL nennt die Anleitung der An- und Zugehörigen in § 3 Abs. 1 Nr. 10 als Leistungsinhalt des Intensivpflegedienstes. Die Grenze: Der planmäßige Außenkanülenwechsel bleibt bei Fachkraft oder Arzt, weil der Atemweg zwischen Ziehen und Einsetzen ungeschützt ist. Vereinbaren Sie mit Dienst und Arzt schriftlich, welche Handgriffe Sie übernehmen, und lassen Sie sich die Anleitung dokumentieren.
Wie oft die Trachealkanüle gewechselt wird
Die Innenkanüle wird mindestens einmal täglich gereinigt oder gewechselt, die Außenkanüle nach der Gebrauchsanweisung des Herstellers und der ärztlichen Anordnung. Verbindlich ist die Herstellerangabe, kein pauschales Intervall: Eine feste Wechselfrist gibt es weder im Gesetz noch in der Fachliteratur; die Frequenz steht in der Verordnung und im Behandlungsplan (Muster 62 Teil C).
Innenkanüle: täglich, bei viel Sekret mehrmals
Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands begründet die regelmäßige, bei Bedarf mehrmals tägliche Reinigung der Kanülen mit Schleim- und Sekretabsonderungen. In der Praxis heißt das: einmal täglich als Grundtakt, zusätzlich immer dann, wenn das Atemgeräusch rauer wird, der Beatmungsdruck steigt oder beim Absaugen Widerstand spürbar ist. Kunststoff-Innenkanülen gibt es als Einmalprodukt (nach Gebrauch entsorgen) und als Einpatientenprodukt (reinigen und wiederverwenden). Welche Variante Sie haben, steht auf der Verpackung und entscheidet, ob gereinigt oder ersetzt wird.
Außenkanüle: Herstellerangabe und ärztliche Anordnung entscheiden
Verbindlich ist die Gebrauchsanweisung des Herstellers zusammen mit der ärztlichen Anordnung. Sie legt fest, wie lange eine Kunststoffkanüle ab dem Öffnen der Sterilverpackung am Patienten bleiben darf. Eine feste Intervallempfehlung nennt die Fachliteratur ausdrücklich nicht. Als Orientierung beschreibt die Fachliteratur zum Trachealkanülenmanagement (Schlaegel, Neuro Rehabil 2009) einen Wechsel meist nach ein bis zwei Wochen sowie Herstellerangaben von maximal 28 Tagen. Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands verlangt umgekehrt eine Mehrfachverwendbarkeit von mindestens 29 Tagen. Das ist eine Anforderung an das Produkt und keine Vorgabe für das Wechselintervall. In der Frühphase nach der Tracheotomie, bei starker Verkrustung oder bei Infektzeichen ordnen Ärzte kürzere Abstände an. Kürzer als nötig zu wechseln bringt keinen Hygienevorteil, reizt aber den Stomarand und fördert Granulationsgewebe.
Wechsel außerhalb des Plans
- Verlegung der Kanüle, die sich durch Innenkanülenwechsel und Absaugen nicht beheben lässt
- Defekter oder undichter Cuff (Druck fällt trotz Nachblocken wiederholt ab)
- Kanüle teilweise oder ganz herausgerutscht (Dislokation)
- Risse, Verfärbungen oder Verformungen am Kanülenschaft
- Umstellung des Kanülentyps nach ärztlicher Anordnung, etwa auf eine gefensterte Kanüle vor der Dekanülierung
| Bauteil | Intervall | Wer | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Innenkanüle | mindestens 1x täglich reinigen oder tauschen, bei Sekret öfter | Pflegefachkraft, geschulte Angehörige | Hilfsmittelverzeichnis PG 12, ärztliche Anordnung |
| Außenkanüle (Kunststoff) | nach Herstellerangabe und ärztlicher Anordnung, Orientierung 1 bis 2 Wochen | Pflegefachkraft, Arzt | Gebrauchsanweisung des Herstellers, HKP-RL Nr. 29 |
| Cuffdruck | regelmäßig kontrollieren, nach jedem Wechsel und bei Lagewechsel | Pflegefachkraft, geschulte Angehörige | KRINKO 2013: 20 bis 30 cmH2O |
| Kanülenband und Kompresse | täglich und bei Durchfeuchtung | Pflegefachkraft, geschulte Angehörige | Stomapflege, ärztliche Anordnung |
| Erster Wechsel nach Anlage | einmalig, wenn der Stomakanal stabil ist | Arzt | DGP-Leitlinie außerklinische Beatmung |
Trachealkanüle wechseln Schritt für Schritt
Ein sicherer Kanülenwechsel dauert unter einer Minute, die Vorbereitung dagegen zehn Minuten: Material vollständig, Absauggerät angeschaltet, Patient korrekt gelagert, zweite Person in Reichweite. Der folgende Ablauf entspricht dem Standard der außerklinischen Intensivpflege. Er richtet sich an Angehörige, die den Vorgang verstehen und im Notfall assistieren wollen, und ersetzt keine Anleitung zum eigenständigen planmäßigen Wechsel.
Vorbereitung und Material
- Neue Kanüle in der verordneten Größe, geprüft: Cuff mit Spritze aufblasen, auf Dichtigkeit prüfen, wieder vollständig entleeren
- Reservekanüle in gleicher Größe und eine Kanüle eine Nummer kleiner (DGP-Leitlinie) für den Fall, dass die neue Kanüle nicht eingeführt werden kann
- Obturator (Einführhilfe), wasserlösliches Gleitmittel, Kanülenband, geschlitzte Trachealkompresse
- Cuffdruckmesser, 10-ml-Spritze, sterile Handschuhe, Absaugkatheter, Handbeatmungsbeutel
- Absauggerät eingeschaltet und Katheter angeschlossen; bei Beatmung: Sauerstoffgabe nach ärztlicher Anordnung vor dem Wechsel
- Hände desinfizieren, Patient informieren, Zeitpunkt wählen: nicht direkt nach einer Mahlzeit oder Sondenkost (Aspirationsrisiko)
Lagerung: Der Patient liegt mit erhöhtem Oberkörper und leicht überstrecktem Nacken, zum Beispiel mit einer Rolle unter den Schultern. In dieser Position liegt das Stoma frei und die Luftröhre verläuft gerade, sodass die neue Kanüle dem Kanal folgt. Bei wachen Patienten wird der Ablauf vorher besprochen: ruhig atmen, nicht schlucken, ein vereinbartes Handzeichen für Abbruch. Eine zweite Person hält Licht, reicht Material und beobachtet Sättigung und Atmung am Monitor.
Der Wechsel
- Vor dem Wechsel endotracheal absaugen, damit kein Sekret beim Ziehen in die Lunge läuft; wie das korrekt geht, erklärt der Beitrag Tracheostoma absaugen
- Kanülenband lösen, Kompresse entfernen, bei geblockter Kanüle den Cuff über die Spritze vollständig entleeren (oberhalb des Cuffs vorher absaugen, wenn die Kanüle einen subglottischen Kanal hat)
- Alte Kanüle mit einer bogenförmigen Bewegung nach unten und vorn herausziehen; Stoma inspizieren: Rötung, Blutung, Granulation, Geruch
- Neue Kanüle mit Obturator und dünn aufgetragenem Gleitmittel in derselben Bogenbewegung einführen; kein Druck, keine Drehbewegung gegen Widerstand
- Obturator sofort entfernen, Innenkanüle einsetzen und verriegeln, Beatmung oder Feuchte Nase wieder anschließen
- Cuff auf 20 bis 30 cmH2O blocken, Kompresse und Kanülenband so anlegen, dass ein Finger unter das Band passt
Kontrolle danach
Direkt nach dem Wechsel zählen vier Kontrollen: Luft strömt hörbar und fühlbar durch die Kanüle, der Brustkorb hebt sich beidseitig, die Sauerstoffsättigung liegt auf dem Ausgangswert und das Beatmungsgerät zeigt keine Leckage- oder Druckalarme. Danach folgt die Dokumentation: Datum, Uhrzeit, Kanülentyp und Größe, Chargennummer, Cuffdruck, Zustand des Stomas, Besonderheiten. Die entnommene Kanüle wird nach Herstellerangabe gereinigt und trocken gelagert oder entsorgt. Ein Cuff wird dabei nie mit Bürsten oder Desinfektionsmitteln bearbeitet, weil die Manschette beschädigt würde.
Komplikationen beim Kanülenwechsel
Die gefährlichste Komplikation beim Wechsel ist die Fehllage der neuen Kanüle im Gewebe neben der Luftröhre (Via falsa). Weitere Risiken sind Blutungen, Sättigungsabfall, Hautemphysem und eine Kanüle, die sich nicht einführen lässt. Das Curriculum „Trachealkanülenmanagement in der Dysphagietherapie“ ist ein Konsensuspapier mehrerer Fachgesellschaften unter Federführung der Deutschen interdisziplinären Gesellschaft für Dysphagie (Der Nervenarzt 2024). Es listet zusätzlich Entzündungen, Stenosen, Granulationen und Ulzerationen als typische Stomakomplikationen. Alle diese Situationen sind planbar, wenn Material und Ablauf stehen.
Via falsa und Fehllage erkennen
Bei einer Via falsa gleitet die Kanüle nicht in die Trachea, sondern in das Weichgewebe davor. Zeichen sind fehlender Luftstrom durch die Kanüle, ein knisterndes Hautemphysem am Hals, steigender Beatmungsdruck, Sättigungsabfall und Unruhe des Patienten. Die Kanüle wird dann sofort entfernt und der Einführversuch mit der kleineren Reservekanüle wiederholt. Gelingt das nicht, wird das Stoma offen gehalten, über den Mund oder das Stoma mit dem Beatmungsbeutel beatmet und der Notruf 112 abgesetzt. Das Risiko einer Via falsa ist bei frischen, dilatativ angelegten Stomata am höchsten; genau deshalb verlangt die DGP-Leitlinie für die häusliche Versorgung ein stabiles Tracheostoma.
Blutung, Granulation, Verkrustung
Leichte Blutungen am Stomarand beim Wechsel sind häufig und stehen unter leichtem Druck mit einer sterilen Kompresse. Frisches, pulsierendes oder anhaltendes Blut aus der Kanüle ist ein Notfall. Granulationsgewebe, also überschießendes Wundgewebe am Stomarand oder in der Trachea, macht den Wechsel schmerzhaft und kann die Kanüle beim Einführen ablenken. Es gehört in ärztliche Behandlung und ist ein Grund, das Intervall nicht zu verkürzen. Harte Verkrustungen an der alten Kanüle weisen auf zu trockene Atemluft hin: Befeuchtung über Feuchte Nase oder aktiven Befeuchter ist bei invasiver Beatmung laut DGP-Leitlinie immer erforderlich.
Wann der Wechsel abgebrochen wird und 112 gewählt wird
Abgebrochen wird, sobald die neue Kanüle auch in der kleineren Größe nicht liegt. Dasselbe gilt, wenn die Sättigung trotz Sauerstoff weiter fällt, eine starke Blutung auftritt oder der Patient nicht mehr ansprechbar ist. Bis der Rettungsdienst eintrifft, wird mit dem Beatmungsbeutel beatmet: bei plastischem Stoma über das Stoma, bei Kehlkopfträgern mit zugehaltenem Stoma über Mund und Nase. Verstopfte oder herausgerutschte Kanülen außerhalb des planmäßigen Wechsels behandelt der Beitrag zum Notfall bei Tracheostoma und Heimbeatmung, samt Inhalt des Notfallsets.
Material und Bestellung
Trachealkanülen, Innenkanülen, Kanülenbänder, Kompressen, Cuffdruckmesser und Reinigungsmittel sind Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 33 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 12). Sie werden ärztlich verordnet und von einem Homecare-Versorger oder Sanitätshaus geliefert, mit dem die Krankenkasse einen Vertrag hat.
Grundausstattung für den Kanülenwechsel
- Mindestens zwei komplette Kanülensets in der verordneten Größe (Vorgabe des Hilfsmittelverzeichnisses) plus eine Reservekanüle eine Nummer kleiner
- Innenkanülen im Monatsbedarf: bei Einmal-Innenkanülen mindestens eine pro Tag, bei Einpatienten-Innenkanülen zwei bis drei Stück im Wechsel
- Kanülenbänder, geschlitzte Trachealkompressen, Feuchte Nasen (HME) im Tagesbedarf
- Cuffdruckmesser (mechanisch; elektronische Geräte gelten im Hilfsmittelverzeichnis als nicht notwendig), 10-ml-Spritzen
- Reinigungsset: Reinigungsdose, Bürste, Reinigungspulver oder -konzentrat nach Herstellerangabe, Gleitmittel
- Obturator und Kanülenverschlusskappe oder Sprechventil, wenn ärztlich angeordnet
Verordnung, Lieferung, Zuzahlung
Die Verordnung stellt der behandelnde Arzt aus; im Entlassmanagement darf die Klinik Hilfsmittel für bis zu sieben Tage verordnen, damit die Erstausstattung am Entlassungstag im Haus ist. Der Homecare-Versorger liefert Verbrauchsmaterial im Monatsrhythmus und muss Reparaturen und Ersatz sicherstellen. Für Hilfsmittel gilt eine Zuzahlung von 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel. Bei zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln sind es 10 Prozent, höchstens 15 Euro für den gesamten Monatsbedarf (§ 33 Abs. 8 SGB V). Ab der Belastungsgrenze von 2 Prozent des Bruttoeinkommens (1 Prozent bei chronisch Kranken, § 62 SGB V) befreit die Kasse von weiteren Zuzahlungen. Welche Geräte neben den Kanülen zur Versorgung gehören, von Absauggerät bis Befeuchter, listet der Beitrag Hilfsmittel bei Beatmung und Tracheostoma. Die allgemeinen Antragsregeln erklärt der Ratgeber zu Hilfsmitteln der Krankenkasse. Läuft die Versorgung zu Hause über die außerklinische Intensivpflege, kommt die Zuzahlung nach § 37c Abs. 5 SGB V in Verbindung mit § 61 Satz 3 SGB V hinzu: 10 Prozent der Kosten für die ersten 28 Kalendertage je Kalenderjahr, plus 10 Euro je Verordnung. Ob bei Ihnen die Voraussetzungen für diese Versorgung vorliegen, zeigt der Intensivpflege-Anspruchs-Check in wenigen Minuten.
Nächste Schritte
- Rechnen Sie Ihre Situation in wenigen Minuten durch: 24-Stunden-Pflege-Kostenrechner.
- Wenn Sie Unterstützung suchen: Intensivpflegedienst finden.
- Passend zum Thema: Trachealkanüle wechseln.
FAQ – Trachealkanüle wechseln
Wie oft muss die Trachealkanüle gewechselt werden?
Die Innenkanüle wird mindestens einmal täglich gereinigt oder getauscht, bei viel Sekret öfter. Für die Außenkanüle gelten die Gebrauchsanweisung des Herstellers und die ärztliche Anordnung; eine feste Intervallempfehlung gibt es in der Fachliteratur nicht. Als Orientierung wird dort ein Wechsel nach ein bis zwei Wochen beschrieben, Herstellerangaben nennen Höchstdauern von etwa 28 Tagen. Der verbindliche Rhythmus steht in der Verordnung.
Dürfen Angehörige die Trachealkanüle wechseln?
Angehörige dürfen nach dokumentierter Anleitung die Innenkanüle wechseln, den Cuffdruck messen und im Notfall eine herausgerutschte Kanüle ersetzen. Der planmäßige Wechsel der Außenkanüle bleibt Aufgabe von Pflegefachkraft oder Arzt, weil der Atemweg dabei kurz ungeschützt ist. Die Anleitung ist nach HKP-RL Nr. 7 bis zu zehnmal verordnungsfähig.
Wer wechselt die Kanüle in der außerklinischen Intensivpflege?
Die ständig anwesende Pflegefachkraft des Intensivpflegedienstes. Das Trachealkanülenmanagement ist in § 3 Abs. 1 Nr. 2 der AKI-Richtlinie ausdrücklich als Leistungsinhalt genannt. Die Häufigkeit legt der verordnende Arzt im Behandlungsplan fest; die Pflegefachkraft darf sie bei dieser Leistung nicht selbst bestimmen, aber bei Verlegung oder Defekt jederzeit außerplanmäßig wechseln.
Welcher Cuffdruck ist beim Wechsel richtig?
Die KRINKO empfiehlt 20 bis 30 cmH2O, gemessen mit einem mechanischen Cuffdruckmesser. Zu wenig Druck lässt Sekret an der Manschette vorbei in die Lunge, zu viel Druck schädigt die Trachealschleimhaut. Prüfen Sie den Wert nach dem Blocken ein zweites Mal, denn in der ersten Viertelstunde fällt der Druck messbar ab. Der Zielwert steht im Behandlungsplan.
Warum liegt immer eine kleinere Kanüle bereit?
Weil sich das Stoma nach dem Ziehen der Kanüle innerhalb von Minuten verengen kann. Lässt sich die neue Kanüle in Originalgröße nicht einführen, gelingt es mit der um eine Nummer kleineren Reservekanüle fast immer. Die DGP-Leitlinie fordert deshalb neben der Reservekanüle in gleicher Größe stets eine kleinere Kanüle am Bett.
Was passiert, wenn die neue Kanüle nicht hineingeht?
Kein Druck, keine Drehbewegung gegen Widerstand. Zweiter Versuch mit der kleineren Reservekanüle und Gleitmittel, Nacken leicht überstreckt. Gelingt auch das nicht, wird das Stoma offen gehalten, mit dem Beatmungsbeutel beatmet und 112 gewählt. Ein erzwungenes Einführen riskiert eine Via falsa, also eine Fehllage neben der Luftröhre.
Muss vor dem Kanülenwechsel abgesaugt werden?
Ja. Vor dem Entblocken und Ziehen wird endotracheal abgesaugt, bei Kanülen mit subglottischem Kanal zusätzlich oberhalb des Cuffs. So läuft beim Wechsel kein angesammeltes Sekret in die tiefen Atemwege. Abgesaugt wird steril, flach und höchstens 10 bis 15 Sekunden lang. Wer das Absaugen überspringt, riskiert eine Aspiration genau in dem Moment, in dem der Atemweg offen liegt.
Wie lange dauert ein Kanülenwechsel?
Der eigentliche Wechsel von der alten zur neuen Kanüle dauert bei stabilem Stoma unter einer Minute; der Patient ist dabei nur wenige Sekunden ohne Kanüle. Vorbereitung, Absaugen, Cuffprüfung, Fixierung, Kontrolle und Dokumentation brauchen zusammen etwa 15 bis 20 Minuten. Planen Sie den Wechsel nie unmittelbar nach einer Mahlzeit.
Kann man eine Trachealkanüle wiederverwenden?
Einpatientenprodukte ja, innerhalb der vom Hersteller freigegebenen Verwendungsdauer und nach Reinigung gemäß Gebrauchsanweisung. Einmalprodukte nicht. Der Cuff darf nie mit Bürsten oder Desinfektionsmitteln bearbeitet werden. Die Verwendungsdauer zählt ab dem ersten Öffnen der Sterilverpackung, auch die Zeit außerhalb des Patienten.
Wer bezahlt die Trachealkanülen?
Die gesetzliche Krankenkasse als Hilfsmittel nach § 33 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 12). Versicherte zahlen 10 Prozent zu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel; bei zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln höchstens 15 Euro für den gesamten Monatsbedarf. Ab der Belastungsgrenze von 2 beziehungsweise 1 Prozent des Bruttoeinkommens entfällt die Zuzahlung.
Woran erkenne ich, dass die Kanüle sofort gewechselt werden muss?
An einer Verlegung, die sich durch Innenkanülenwechsel und Absaugen nicht beheben lässt. Ebenso an einem Cuff, der trotz Nachblocken wiederholt Druck verliert, an einer sichtbar herausgerutschten Kanüle oder an Rissen und Verformungen am Schaft. In allen vier Fällen wird außerplanmäßig gewechselt, bei Atemnot als Notfallwechsel.
Schadet ein zu häufiger Kanülenwechsel?
Weil jeder Wechsel den Stomarand mechanisch reizt und Granulationsgewebe fördert, ohne einen Hygienevorteil zu bringen. Die Fachliteratur nennt keinen Hygienevorteil kürzerer Intervalle bei sauberer Innenkanülenpflege. Entscheidend sind tägliche Innenkanülenreinigung, ausreichende Befeuchtung und ein Wechsel der Außenkanüle im ärztlich festgelegten Rhythmus.
Fazit
Der Kanülenwechsel ist Routine, wenn drei Dinge feststehen: der Kanülentyp mit seinen Folgen für Cuff, Innenkanüle und Fensterung, die Zuständigkeit und der Rhythmus aus Verordnung und Herstellerangabe. Zuständig sind der Arzt für den ersten Wechsel und für Sonderfälle, die Pflegefachkraft für den planmäßigen Außenkanülenwechsel, geschulte Angehörige für Innenkanüle und Notfall. Halten Sie Reservekanülen in zwei Größen, einen Cuffdruckmesser und den Beatmungsbeutel griffbereit und lassen Sie sich als Angehörige strukturiert anleiten. Einen Dienst, dessen Fachkräfte das Kanülenmanagement rund um die Uhr abdecken, finden Sie über Intensivpflegedienst finden.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- G-BA: Häusliche Krankenpflege-Richtlinie (HKP-RL), Leistungsverzeichnis Nr. 7 und Nr. 29
- G-BA: Außerklinische Intensivpflege-Richtlinie (AKI-RL), § 3 Leistungsinhalte
- § 37c SGB V: Außerklinische Intensivpflege
- DGP: S2k-Leitlinie Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz, Revision 2017 (AWMF 020-008; für die nichtinvasive Beatmung 2024 durch eine S3-Leitlinie abgelöst, die Kapitel zur invasiven Beatmung gelten weiter als Referenz)
- KRINKO beim Robert Koch-Institut: Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie (2013)
- GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 12, Hilfsmittel bei Tracheostoma und Laryngektomie
- Schlaegel: Das Trachealkanülenmanagement in der neurologischen Rehabilitation, Neuro Rehabil 2009 (Wechselintervalle, Cuffdruckverlust)
- Ledl, Frank u. a.: Curriculum „Trachealkanülenmanagement in der Dysphagietherapie“, Der Nervenarzt 2024


