Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine ärztliche, pflegefachliche oder rechtliche Beratung. In Notfällen wählen Sie 112.
Pneumonieprophylaxe bedeutet, einer Lungenentzündung gezielt vorzubeugen, indem Atmung, Sekretabfluss, Mundhygiene und Abwehrlage gestützt werden. Bei Menschen mit Tracheostoma, Beatmung oder Bettlägerigkeit gehört sie zum täglichen Pflegeplan, weil der natürliche Schutz von Husten, Schlucken und Nasen-Rachen-Raum geschwächt ist. Welche Maßnahmen im Einzelfall richtig sind, entscheidet das behandelnde Team; Angehörige tragen vor allem durch Aufmerksamkeit, Mundpflege und Impfschutz bei.
Der Beitrag nennt die Risikofaktoren, die Risikoeinschätzung durch die Pflege, die wichtigsten Maßnahmen, die Empfehlungen der KRINKO zur beatmungsassoziierten Pneumonie, den aktuellen Impfschutz nach STIKO und die Warnzeichen. Bei invasiver Beatmung ergänzt der Ratgeber zur invasiven Beatmung zu Hause das Thema um die Gerätetechnik.
Warum Beatmung, Tracheostoma und Bettlägerigkeit das Risiko erhöhen
Das Risiko steigt, weil mehrere Schutzmechanismen zugleich ausfallen. Eine Trachealkanüle umgeht Nase und Rachen, wo die Atemluft normalerweise gefiltert, angewärmt und befeuchtet wird. Der Cuff einer geblockten Kanüle dichtet die Luftröhre ab, doch Sekret kann sich oberhalb ansammeln und in die Lunge gelangen. Wer liegt, hustet schwächer ab, atmet flacher und belüftet die unteren Lungenabschnitte schlechter.
Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen:
- eingeschränkte Atem- und Hustenkraft, etwa bei neuromuskulären Erkrankungen wie ALS
- Beatmung, besonders invasiv über eine Trachealkanüle
- Schluckstörungen mit Gefahr, dass Speichel, Nahrung oder Mageninhalt in die Atemwege gelangen
- längere Bettlägerigkeit und fehlende Bewegung
- Bewusstseinsstörungen oder dämpfende Medikamente
- chronische Lungenerkrankungen wie COPD und höheres Alter
Besonders folgenreich ist die Mikroaspiration, bei der kleine Mengen Sekret oder Speichel unbemerkt in die Luftwege gelangen. Warum Aspiration beim Essen und bei der Sondengabe ein eigenes Thema ist, erklärt der Beitrag zur Aspiration; hier geht es um die vorbeugende Gesamtstrategie.
Risikoeinschätzung durch die Pflege: Atemskala nach Bienstein
Die Pflege schätzt das Pneumonierisiko mit einem strukturierten Instrument ein, im deutschsprachigen Raum häufig mit der Atemskala nach Bienstein. Die Skala erfasst unter anderem Mitarbeit, akute Atemwegserkrankungen, Schluckstörungen, Mobilitätseinschränkungen, Intubation oder Beatmung und atemdepressive Medikamente und ordnet die Summe einer Risikostufe zu. Die Einstufung ist eine Orientierung für die Pflegeplanung, kein Messwert für die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung; Untersuchungen zur Zuverlässigkeit der Skala sind begrenzt.
Für Familien bedeutet das: Fragen Sie den Pflegedienst oder die Einrichtung, ob eine Risikoeinschätzung dokumentiert ist und wann sie wiederholt wird. Eine neue Einschätzung ist sinnvoll nach einem Krankenhausaufenthalt, bei einem Wechsel der Kanüle oder des Beatmungsmodus, bei zunehmender Schwäche und bei Infekten. Die Dokumentation zeigt Ihnen, welche Maßnahmen das Team festgelegt hat, und gibt Ihnen eine Grundlage für Rückfragen.
Dabei hilft ein einfacher Rhythmus: Das Team bewertet Atmung und Sekret regelmäßig, dokumentiert Auffälligkeiten und informiert die Ärztin oder den Arzt bei Veränderungen. Als Angehörige sehen Sie die Person häufig in Situationen, in denen das Team nicht anwesend ist, etwa nachts oder bei Besuchen, und können zusätzliche Beobachtungen beisteuern. Wichtig ist der Verlauf. Eine Pflegekraft, die die Person täglich sieht, bemerkt Veränderungen von Sekretmenge, Atemgeräusch oder Wachheit früher als ein Fragebogen. Teilen Sie auffällige Beobachtungen deshalb sofort mit, statt auf die nächste Einschätzung zu warten.
Maßnahmen im Alltag: Mobilisation, Atemtherapie, Lagerung
Die wirksamsten Alltagsmaßnahmen sind Bewegung, Atemtraining und Lagerungswechsel, die das Team auf Zustand und Beatmungsform abstimmt. Keine dieser Maßnahmen ersetzt die ärztliche Behandlung, und keine sollte ohne Anleitung durch eine Fachkraft begonnen werden.
Mobilisation
Wer aufrecht sitzt oder steht, atmet tiefer und belüftet mehr Lungenfläche als im Liegen. Mobilisation reicht vom Sitzen an der Bettkante über den Transfer in den Rollstuhl bis zu Gehversuchen, je nach Erkrankung und Belastbarkeit. Bei Beatmung, Kanüle und Sonde braucht jeder Transfer Planung, damit Schläuche, Kanüle und Zugänge geschützt bleiben. Physiotherapie, die die Ärztin oder der Arzt verordnet, übt dies mit dem Team und den Angehörigen ein.
Atemtherapie und Sekretmobilisation
Atemtherapie umfasst gezielte Atemübungen, atemerleichternde Körperstellungen und, wenn nötig, Hilfsmittel zur Sekretlösung. Bei schwachem Hustenstoß unterstützen Techniken und Geräte, die das Sekret in die großen Atemwege bringen, von wo es abgesaugt oder abgehustet wird. Wie das Sekret mobilisiert wird und welche Geräte dafür infrage kommen, beschreibt der Beitrag zur Sekretmobilisation; das Absaugen selbst steht im Ratgeber zum Absaugen bei Tracheostoma. Absaugen erfolgt nach Bedarf, nicht nach Uhrzeit, und über Dauer und Intervall entscheidet das Team.
Lagerung und Positionswechsel
Lagerung beeinflusst Belüftung, Sekretabfluss und Druckverteilung. Häufig genannt wird eine Oberkörperhochlagerung von 30 bis 45 Grad. Die KRINKO stellt dazu fest, dass es für beatmete Intensivpatienten keine gesicherte Evidenz gibt, die Hochlagerung als einzelne Maßnahme zur Senkung der Pneumonierate einzusetzen, außer als Bestandteil sogenannter Präventionsbündel; die Lagerung muss unter klinischen Gesichtspunkten festgelegt werden (KRINKO 2013, Kategorie III). Für Sie heißt das: Fragen Sie das Team, welche Positionen für die Person gelten, und verändern Sie diese nicht eigenmächtig. Der Wechsel der Positionen schützt zugleich vor Druckgeschwüren, die der Beitrag zur Dekubitusprophylaxe behandelt.
Checkliste für den Alltag
- Mundpflege, Lagewechsel und Atemübungen im Pflegeplan finden und die Zeiten kennen
- vor jedem Kontakt mit Kanüle, Schläuchen und Absaugkatheter die Hände desinfizieren
- Sekretmenge, Farbe und Konsistenz sowie Temperatur täglich festhalten, wenn das Team dies vorsieht
- Absauggerät, Ersatzkatheter und Notfallset vollständig und griffbereit halten
- Besucher mit Husten oder Schnupfen bitten, Abstand zu halten oder Mund-Nasen-Schutz zu tragen
- Impfstatus von Patient, Haushaltsmitgliedern und Pflegenden jährlich im Herbst prüfen
Die Liste ergänzt den Pflegeplan und ersetzt ihn nicht. Weicht das Vorgehen des Teams ab, gilt das, was Ärztin oder Arzt und Pflegefachkraft für die Person festgelegt haben.
Mund- und Zahnpflege als Pneumonieprophylaxe
Gründliche Mundpflege senkt die Keimzahl im Mund-Rachen-Raum und damit das Risiko, dass Keime in die Lunge gelangen. Die KRINKO bezeichnet die regelmäßige Mundpflege mit antiseptischen Substanzen mit nachgewiesener Wirksamkeit als Empfehlung der Kategorie IA für die Prävention beatmungsassoziierter Pneumonien (KRINKO 2013, Abschnitt 4.5). Sie hält fest, dass die Mundpflege mit mechanischer Zahnreinigung eine wichtige Maßnahme der Grundpflege ist, wobei Blutgerinnung und Blutbild beachtet werden müssen.
In der Praxis legt das Team fest, welches Mittel, wie oft und womit gereinigt wird, denn Zahnprothesen, Mundtrockenheit, Borken und Soor verlangen unterschiedliches Vorgehen. Bei Menschen mit Schluckstörung und Trachealkanüle muss die Mundpflege so erfolgen, dass kein Spülwasser in die Atemwege gelangt. Lassen Sie sich die Technik zeigen und üben Sie unter Aufsicht, bevor Sie sie allein übernehmen. Zur Schluckstörung selbst lesen Sie den Ratgeber zur Dysphagie.
Das VAP-Bündel bei invasiver Beatmung
Bei invasiver Beatmung bündeln Kliniken mehrere Maßnahmen gegen die beatmungsassoziierte Pneumonie (VAP). Die KRINKO-Empfehlung „Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie“ von 2013 ist die maßgebliche deutsche Grundlage. Sie ist für das Krankenhaus geschrieben; sie zeigt aber, woran sich die Hygiene in der häuslichen Beatmung orientiert. Ob und wie die Punkte auf eine Trachealkanüle zu Hause übertragbar sind, entscheidet das beatmungserfahrene Team.
| Maßnahme | Aussage der KRINKO 2013 | Kategorie |
|---|---|---|
| Cuffdruck | Cuffdruck der Tubusmanschette je nach Beatmungssituation auf 20 bis 30 cm H2O einstellen und überprüft halten | IB |
| Beatmungsschläuche | Wechsel nicht häufiger als alle 7 Tage; bei Beschädigung oder sichtbarer Verschmutzung sofort | IA / IV |
| Subglottische Sekretdrainage | Endotrachealtuben mit Absaugung oberhalb des Cuffs bei erwarteter Beatmungsdauer über 72 Stunden | IA |
| Mundpflege | regelmäßig mit antiseptischen Substanzen mit nachgewiesener Wirksamkeit | IA |
| Lagerung | Rolle der Oberkörperhochlagerung ungeklärt; Lagerung nach klinischen Gesichtspunkten | III |
| Händehygiene | hygienische Händedesinfektion als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Prävention nosokomialer Infektionen (Abschnitt 2.1) | Basismaßnahme |
Die Tabelle gibt die Aussagen der Empfehlung wieder; sie sind keine Anleitung für die Heimpflege. Der Cuffdruck zum Beispiel gilt für Endotrachealtuben der Intensivstation. Für die Trachealkanüle zu Hause nennen Hersteller und Behandlungsteam die Kontrollwerte und Intervalle. Fragen Sie nach, ob der Cuffdruck mit einem Manometer geprüft wird und wer das dokumentiert.
Der Hintergrund ist die Mikroaspiration: Kleine Mengen Sekret laufen entlang der Manschette in die Lunge. Nach der KRINKO reduziert eine Blockung auf 20 bis 30 cm Wassersäule die aspirierte Sekretmenge, verhindert die Aspiration aber nicht vollständig, und höhere Druckwerte schädigen die Schleimhaut der Luftröhre. Eine Kontrolle mit Manometer trug in einer von der KRINKO zitierten Studie zu weniger respiratorischen Komplikationen nach Intubation bei. Zu hohe oder zu niedrige Werte sind deshalb beide ein Grund, das Team anzusprechen.
Auch das Zubehör zählt. Für Medikamentenvernebler empfiehlt die KRINKO hygienische Händedesinfektion und Einmalhandschuhe (Kategorie IA) und die Aufbereitung aller Teile alle 24 Stunden sowie bei jedem Patientenwechsel nach Herstellerangaben. Feuchte Schlauchsysteme, Wasserfallen und Befeuchter sind Keimquellen, wenn sie falsch gehandhabt werden; die Gebrauchsanweisung des Geräts und die Einweisung durch den Homecare-Versorger bleiben maßgeblich.
Für Angehörige zählt vor allem die Händehygiene: Händedesinfektion vor jedem Kontakt mit Kanüle, Beatmungsschläuchen und Absaugkatheter, Besucher mit Atemwegsinfekt auf Abstand halten und Geräteteile nur nach Herstellervorgabe aufbereiten. Der Hintergrund der Beatmung zu Hause steht im Ratgeber zur Heimbeatmung.
Impfungen nach STIKO: Pneumokokken und Influenza
Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza gehören zur Pneumonieprophylaxe, weil beide Erreger zu schweren Lungenentzündungen führen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen im Epidemiologischen Bulletin 4/2026 vom 22. Januar 2026 aktualisiert. Ob und wann geimpft wird, bespricht die Hausärztin oder der Hausarzt anhand von Alter, Vorerkrankungen und Impfstatus.
| Impfung | Empfehlung der STIKO (Stand Bulletin 4/2026) | Hinweis |
|---|---|---|
| Pneumokokken, Standard | einmalig mit PCV20 für alle Personen ab 60 Jahren | wer bereits PPSV23 erhalten hat: PCV20 im Mindestabstand von 6 Jahren |
| Pneumokokken, Indikation | PCV20 unabhängig vom Alter bei chronischen Krankheiten, etwa chronischen Atemwegserkrankungen (Asthma, COPD, Lungenemphysem) oder neurologischen Krankheiten | zur Wiederholungsimpfung nach PCV20 liegen keine Daten vor, daher keine Empfehlung |
| Influenza, Standard | jährlich im Herbst oder Winter für alle Personen ab 60 Jahren, mit Hochdosis- oder MF-59-adjuvantiertem Impfstoff | Standardimpfstoff nur, wenn die bevorzugten Impfstoffe nicht infrage kommen |
| Influenza, Indikation | jährlich ab 6 Monaten bei erhöhter Gefährdung durch eine Grunderkrankung, etwa chronische Erkrankung der Atmungsorgane; ebenso für Bewohnende von Pflegeeinrichtungen | auch Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können |
Der letzte Punkt betrifft Angehörige und Pflegekräfte: Wer im selben Haushalt eine Person mit hoher Gefährdung betreut, kann nach den Kriterien der STIKO selbst zur Influenza-Impfung gehören. Nach der STIKO können Pneumokokken- und saisonale Influenza-Impfung bei vorliegender Indikation am selben Termin erfolgen. Legen Sie den Impfausweis vor und lassen Sie festhalten, ob früher ein Pneumokokken-Impfstoff gegeben wurde und welcher; davon hängt der Abstand zur nächsten Impfung ab. Die Impfempfehlung ersetzt die ärztliche Beratung nicht, besonders bei Immunschwäche oder Unverträglichkeiten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüft den Impfstatus und stellt die Impfung aus.
Warnzeichen einer Pneumonie und wann Sie ärztlich abklären lassen
Eine beginnende Lungenentzündung zeigt sich oft schleichend, deshalb zählen Veränderungen gegenüber dem Normalzustand. Warnzeichen sind zunehmende Atemnot oder schnellere Atmung, neues oder vermehrtes Fieber, ein Anstieg der Sekretmenge, veränderte Farbe oder Konsistenz des Sekrets, neue Rasselgeräusche, sinkende Sauerstoffsättigung, Schwäche, Verwirrtheit und Unruhe. Bei älteren Menschen kann Fieber fehlen und stattdessen Verwirrung oder Teilnahmslosigkeit auftreten.
Rufen Sie bei akuter Atemnot, blauen Lippen oder Bewusstseinsverlust den Notruf 112. Bei Auffälligkeiten ohne akute Gefahr informieren Sie noch am selben Tag das behandelnde Team oder die Hausärztin. Welche Sättigungswerte für die Person als untere Grenze gelten, legt die Ärztin oder der Arzt fest; wie die Messung funktioniert, erklärt der Beitrag zum Pulsoxymeter. Das Notfallset und der Notfallplan der Beatmungsversorgung sollten griffbereit liegen.
Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Sekretmenge und -farbe, Temperatur und Sättigungswert, denn diese Angaben helfen bei der telefonischen Einschätzung. Verändern Sie keine Medikamente oder Geräteeinstellungen auf eigene Faust.
Nächste Schritte
Fragen Sie beim Pflegedienst nach der dokumentierten Risikoeinschätzung, prüfen Sie Ihren Impfstatus und den der Pflegenden und lassen Sie sich Mundpflege und Positionswechsel zeigen. Wenn Sie eine beatmungserfahrene Versorgung suchen, hilft das Team der Heimbeatmungs-Versorgung; wie Sie die Voraussetzungen im Überblick prüfen, zeigt der Check zur Intensivpflege.
FAQ – Pneumonieprophylaxe
Was versteht man unter Pneumonieprophylaxe?
Pneumonieprophylaxe sind alle pflegerischen und medizinischen Maßnahmen, die eine Lungenentzündung verhindern sollen: Mobilisation, Atemtherapie, Lagerung, Mund- und Kanülenhygiene, Sekretmanagement und Impfungen. Sie richtet sich an Menschen mit erhöhtem Risiko, etwa bei Beatmung, Tracheostoma, Schluckstörung oder Bettlägerigkeit.
Warum haben beatmete Menschen ein höheres Pneumonierisiko?
Die Trachealkanüle umgeht Nase und Rachen, den natürlichen Filter der Atemluft. Sekret kann sich oberhalb des Cuffs sammeln und unbemerkt in die Lunge gelangen. Dazu kommen schwacher Husten und eingeschränkte Bewegung. Die KRINKO beschreibt deshalb Bündelmaßnahmen für beatmete Patienten.
Was ist die Atemskala nach Bienstein?
Ein Instrument der Pflege, mit dem das Pneumonierisiko eingeschätzt wird. Es erfasst unter anderem Schluckstörung, Mobilität, Beatmung und Medikamente und ergibt eine Risikostufe. Die Einstufung dient der Pflegeplanung; ihre Vorhersagekraft ist wissenschaftlich begrenzt untersucht.
Wie hoch sollte der Oberkörper gelagert werden?
Oft werden 30 bis 45 Grad genannt. Die KRINKO sieht für beatmete Patienten keine gesicherte Evidenz für die Hochlagerung als Einzelmaßnahme und verlangt eine Festlegung nach klinischen Gesichtspunkten (Kategorie III). Welche Position für die Person gilt, legt das behandelnde Team fest.
Welcher Cuffdruck gilt für die Trachealkanüle?
Die KRINKO empfiehlt für die Tubusmanschette bei Beatmung 20 bis 30 cm H2O (Kategorie IB). Das betrifft die Intensivstation. Für die Kanüle zu Hause nennen Hersteller und Behandlungsteam den Kontrollwert und das Prüfintervall. Ändern Sie den Cuffdruck nicht ohne Anleitung.
Hilft Mundpflege wirklich gegen Lungenentzündung?
Ja, die KRINKO empfiehlt regelmäßige Mundpflege mit antiseptischen Substanzen mit nachgewiesener Wirksamkeit (Kategorie IA). Sie senkt die Keimlast im Mund-Rachen-Raum. Welche Mittel und Techniken bei Prothesen, Mundtrockenheit oder Schluckstörung passen, legt das Team fest.
Wie oft werden Beatmungsschläuche gewechselt?
Nach KRINKO 2013 nicht häufiger als alle 7 Tage, da häufigerer Wechsel die Pneumonierate nicht senkt (Kategorie IA), und sofort bei Beschädigung oder sichtbarer Verschmutzung. Für Heimgeräte gelten zusätzlich Herstellerangaben. Der Pflegedienst dokumentiert die Wechsel.
Welche Impfungen schützen vor Lungenentzündung?
Pneumokokken- und Influenza-Impfung. Die STIKO empfiehlt Personen ab 60 Jahren einmalig PCV20 und jährlich Influenza mit Hochdosis- oder MF-59-Impfstoff. Bei chronischen Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen gilt die Pneumokokken-Impfung unabhängig vom Alter. Die Hausärztin prüft den Status.
Sollten Angehörige und Pflegekräfte sich auch impfen lassen?
Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung auch für Personen, die als mögliche Infektionsquelle Risikopersonen im selben Haushalt oder in ihrer Betreuung gefährden können. Wer eine Person mit Tracheostoma oder Beatmung versorgt, sollte den Impfstatus mit der Hausärztin besprechen.
Welche Warnzeichen sprechen für eine Pneumonie?
Zunehmende Atemnot, schnellere Atmung, Fieber, mehr oder verfärbtes Sekret, neue Rasselgeräusche, sinkende Sättigung, Schwäche oder Verwirrung. Informieren Sie das Team noch am selben Tag. Bei akuter Atemnot, blauen Lippen oder Bewusstlosigkeit rufen Sie 112.
Wer entscheidet, welche Maßnahmen zur Pneumonieprophylaxe nötig sind?
Das behandelnde Team: Ärztin oder Arzt, Pflegefachkraft und Therapeuten legen Maßnahmen, Lagerung, Absaugintervall und Mundpflege fest und dokumentieren sie. Angehörige werden angeleitet und gestalten den Alltag mit. Eigenmächtige Änderungen bei Gerät, Kanüle oder Medikation sind zu vermeiden.
Fazit
Pneumonieprophylaxe verbindet Bewegung, Atemtherapie, Lagerung, Mundpflege, Hygiene und Impfschutz. Die KRINKO belegt für beatmete Patienten besonders die Mundpflege mit wirksamen Antiseptika (Kategorie IA); Lagerung und Cuffdruck legt das Team nach dem Zustand fest. Impfen Sie sich und die Pflegenden nach den STIKO-Empfehlungen und melden Sie Warnzeichen am selben Tag. Zur Vorbeugung beim Essen und bei der Sondengabe lesen Sie den Beitrag zur Aspiration, bei offenen Fragen hilft der Check zur Intensivpflege.


